Fototipps

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6. Teil: Reisefotografie



Die Fototipps zum Herunterladen im bewährten PDF-Format:
  Der 1. Teil: Digitale Fotografie - zeitgemäß, nützlich, sparsam
  Der 2. Teil: Fotografieren in einer Halle
  Der 3. Teil: Makrophotographie - Eintritt in eine andere Welt
  Der 4. Teil: Landschaftsfotographie
  Der 5. Teil: Portrait Fotographie
  Der 6. Teil: Reisefotografie

 

Reisefotografie

Der Sommer ist die hohe Zeit des Reisens und deshalb befasse ich mich nun mit dieser Sparte der Fotographie, wobei man unter ‚Reisefotographie‘ ja sehr vieles verstehen kann. Jedenfalls gehört zur Reisefotographie die Freude, das gewohnte Zuhause zu verlassen und in bisher meist nicht gekannte Landschaften und Kulturen einzutauschen. Im Grunde genommen umfasst die Reisefotographie alle möglichen Genres wie Streetfotographie, Landschaftsfotographie, Tierleben, Architektur, Kinder- und Porträtphotographie und auch Sport- und Eventphotographie. Allem gemeinsam ist aber ein Prinzip: das findet nicht zuhause statt. Die Photoausrüstung muss also teilweise über weite Strecken transportiert werden. Die Ausrüstung muss wohl in die Koffer passen und darf dort nicht zu viel Platz einnehmen. Das Gewicht muss moderat sein, jedenfalls so wenig wie irgend möglich wiegen.
Also muss man sich zuerst mit der Ausrüstung befassen:

Variante Nr. 1
Man fotografiert mit dem Smartphone. Ganz nicht ganz schlecht! Die modernen Smartephones haben mittlerweile eine Qualität für die eingebaute Optik erreicht, die vor 10 Jahre teuren SLR’s (Spiegelreflexkameras) vorbehalten waren.
Das Handy hat an immer dabei und einige sind sogar für wirklich gute Bilder ausgelegt. Generell spricht nichts dagegen, auch mal ein Bild auf einem Markt oder an Sehenswürdigkeiten zu machen. Die Auflösungen liegen heute bei rund 10 Mio. Pixel, was bei den winzigen Sensoren schon eine technische Spitzenleistung darstellt, da Pixelgrößen von unter einen ym (also Millionstel Meter) ja kaum noch Licht einfangen können, um daraus ein elektrisches Signal abzuleiten. Deshalb sind Bilder vom Smartphone sehr von der Beleuchtungsstärke abhängig. An einem sonnigen Tag sind die Ergebnisse sehr gut, jedoch bei Einbruch der Dunkelheit oder in Innenräumen muss das Signal soweit hochverstärkt werden, daß das Bild verrauscht, der Kontrast und die Farbsättigung stark abnehmen und die Schärfe enorm nachlässt. Da das eingebaute Blitzgerät aufgrund seiner Miniaturisierung kaum Leistung bringen kann, fällt auch diese Option zur Bilderhellung aus. Also muss man mit schlechten Bildqualitäten bei nachlassender Beleuchtungsstärke leben. Ein wichtiger Unterschied zur klassischen Fotographie ist auch die Betrachtung des Monitorbildes (gleich Sucherbild) bei ausgestrecktem Arm, was bei Sonnenschein recht schwierig ist. Zudem ist die große Tiefenschärfe ‚von vorn bis hinten‘ recht langweilig, da das Hauptmotiv nicht wie bei SLR’s freigestellt werden kann. Darunter leiden v.a. Portraits. Einige Smartphones bieten hier Möglichkeiten der Bildbearbeitung mit elektronischer Simulation einer selektiven Schärfe.

Variante Nr. 2
Die Einfach- SLR mit Kit-Objektiv. Dazu ist zu sagen, dass das natürlich besser ist, als Smartphone oder Kompaktkamera, aber im Vergleich zu größeren Lösungen (siehe die folgenden Varianten) eigentlich nicht lohnend ist. Die Kosten für eine ‚kleine SLR‘ mit Kit-Objektiv (das sind preiswerte Zoom- Objektive wie z.B. Nikkor 3,5-5,6 18-55mm Brennweite) liegen meist zwischen 400 und 500€ für die Kombination Kamera und Objektiv zusammen. Das Objektiv 18-55mm allerdings ist optisch zweifelhaft und mechanisch ein billiges China-Plastik-Machwerk. Das Plastikbajonett des Objektivs hält häufige Objektivwechsel gar nicht aus, aber das ist ja auch nicht vorgesehen, wenn man nur ein Objektiv hat. Der eingebaute Pop-up-Blitz (Ausklappblitz oberhalb des Spiegelkastens) leistet bei Leitzahlen zwischen 9-12 Ausleuchtung für vielleicht 3-4 Meter, was bisweilen aber hilft. Der Sensor arbeitet im APS-C Format (24x18 mm groß), was sicherlich für gute Bilder förderlich ist und hat meist bis 24 Megapixel. Der Schwachpunkt dieser Kombination ist auch nicht die Kamera, sondern das
Objektiv.

Variante Nr. 3
Eine Mittelklasse SLR im APS-C Format (Sensorgröße 24x18mm) und zwei Objektive, die sich gegenseitig ergänzen. Hier kann ich die für meine Begriffe bestmögliche Kombination darstellen: ein Zoomnikkor 16-85mm Brennweite, Lichtstärke 3,5-5,6 und ein Festbrennweitenobjektiv mit 35mm Brennweite und der Lichtstärke 1,8. Dieses Team ist das Beste, was man auf Reisen mitnehmen kann, wenn man hohe, aber nicht professionelle Ansprüche an die Reisefotographie hat. Die Kamera D7100 löst bis 24 MP auf und liefert bis 800ASA hervorragende und bis 1600ASA gute Bilder ab. Das reicht als Reserve vollkommen aus, wenn man das Festbrennweitenobjektiv ansetzt und dann ohne Probleme Nachtausnahmen z.B. in der Stadt machen kann. Der Zoombereich von 16-85 mm entspricht eine Kleinbildbrennweite von 24- 130mm, ist also ideal. Damit wird sowohl ein starker Weitwinkel als auch ein mittlerer Telebereich abgebildet. Längere Telebrennweiten mit Blende 5,6 sind absolut nicht sinnvoll, da man stärkere Tele auf Reisen fast nie braucht und die lichtschwachen Tele nur Probleme bieten (Verwacklungsgefahr, unscharfe Abbildung etc.) Dagegen wird die Weitwinkelbrennweite von 16 mm (24mm KB) eindeutig oft gebraucht, sowohl für Landschaft, Architektur, für Innenräume und öffentliche Plätze. Ein Blitz ist auf Reisen nicht unbedingt erforderlich, zum Aufhellen von Portraits eignet sich sogar der eingebaute Pop-up Blitz. Die Kombination ist klein und leicht – also ideal.



Variante Nr. 4
Eine Oberklasse SLR im Vollformat mit einem professionellen Universal-Zoom. Hier spielt die Qualität die oberste Priorität und die Lichtstärke der professionellen Zoom- Objektive ist mit konstant 2,8 sehr hoch. Deshalb kann man sich das lichtstarke Normalobjektiv (z.B. 50mm Lichtstärke 1,8 oder 1,4) praktisch sparen. Der Zooombereich ist bei professionellen Objektiven deutlich kleine, meist höchstens dreifach (28-70mm oder 24-70mm), so dass man etwas mehr Arbeit hat, den fehlenden Bereich durch mehr Laufarbeit auszugleichen. Praktisch ist das Objektiv 24-70mm, das genügend Weitwinkelreserve bietet. Das Vollformat hat die doppelte Sensorfläche gegenüber dem APS-C Format und ist meist mit 24MP bis 36MP Sensoren ausgestattet. Auf jeden einzelnen Pixel fällt also aufgrund der größeren Fläche mehr Licht als bei kleineren Formaten, was die low-light Eigenschaften der Kamera erheblich verbessert. Da auch die Objektive lichtstärker sind, lassen sich auch in der Dämmerung oder in dunkleren Räumen noch gute Ergebnisse erzielen.



Mit dem Objektiv 28-70mm habe ich alle meine Japanbilder gemacht (außer die Fernaufnahmen vom Fijijama) und habe den mitgenommenen Blitz nie gebraucht. Vollständig ist allerdings die Ausrüstung erst, wenn man, wie im Bild dargestellt, ein Telezoom 70-200mm und einen guten Systemblitz mitführt.




Variante Nr. 5
Das ist jetzt Nostalgie, aber vom Bildergebnis immer noch ganz hervorragend: Man kann noch (zusätzlich) eine alte Analogkamera und zwei oder drei alte Festbrennweiten mitnehmen. Diese Teile sind gewichtsmäßig sehr leicht und brauchen kaum Raum. Man kann sie auch im Reisekoffer verteilen, weil der Verlust vielleicht nicht ganz so schmerzhaft wäre. Die ‚guten‘ Kameras gehören unbedingt ins Handgepäck!! Jedenfalls hatte ich diese Festbrennweiten nach Japan mitgenommen und habe wunderbare Dias damit erzeugen können, die auf einem guten Projektor und einer 1,5m Leinwand besser sind, als jedes elektronische Bild am Monitor. Das ist so ähnlich, wie bei der Schallplatte – viel Freude an alter Technik.



Wie stelle ich die Kamera ein?
Auf Reisen bevorzuge ich den P- Modus der Kamera, also die Programmvollautomatik. Wenn mit eine bestimmte Tiefenschärfe besonders wichtig ist, stelle ich auf den A- Modus ein (Blende vorgewählt, Kamera errechnet die passende Verschlusszeit). So brauchen Landschaftsaufnahmen eine durchgehende Tiefenschärfe, was durch Schließen der Blende geschieht. Das Portraits gilt das Gegenteil: man muss die Blende öffnen, um eine selektive Schärfe und Damit die Konzentration für eine Person oder ein Detail zu erreichen. Ich stelle den Weißabgleich manuelle bei Tageslicht auf ca. 5800°K und bei Kunstlicht manuell auf ca. 3200°K ein. Die ISO- Empfindlichkeit wird von mir ebenso manuell eingestellt, was am Tag Werte zwischen 100 bis 400ASA ausmacht und bei Eintreten der Dämmerung ein sukzessives Hochdrehen der Empfindlichkeit auf max. 1600ASA beim APSC- Format und 3200ASA beim KB Vollformat bedeutet. Alternativ kann auch der eingebaute Blitz oder ein externer Systemblitz benutzt werden, was aber an vielen Sehenswürdigkeiten oder Ausstellungen streng verboten ist. Zudem kann ein Blitz die Bildstimmung erheblich beschädigen, ich stelle deshalb den Blitz fast immer auf Minuskorrekturen (Minus 1 Blende), damit er im Bild nicht aufdringlich wird. Dafür ist dann ein handliches ‚Normalobjektiv‘ mit hoher Lichtstärke (35mm Brennweite bei APS-C Format und 50mm beim Vollformat) eine sinnvolle Alternative. Ein Stativ ist für Reisen in der Regel zu sperrig, bisweilen hilft das Auflegen oder improvisierte Abstützen der Kamera, lange Verschlusszeiten zuzulassen.





Beispielbilder der verschiedensten Art finden Sie in der Fotogalerie unserer Internetseite www.dr-dixius.de

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Dr. med Hermann-Josef Dixius
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